Kunst und Kultur der Aborigines in Australien:

Aborigine: ab origine (lat.) = Ureinwohner / ursprünglich: sagenhaftes Stammvolk der Latiner (Landschaft Latium in Italien, heute "Lazio" mit Hauptstadt Rom). Bezeichnung der australischen Ureinwohner durch die Weißen. Die Ureinwohner bezeichnen sich selber unterschiedlich, je nach Region: "Murri" (Osten), "Koori" (Südosten),  "Nanga" (Süden), "Nyungar" (Südwesten), "Wonghi" (Westen), "Yolngu" (Norden). Die Bedeutungen sind aber vergleichbar, wie "Menschen", "Volk".

Australien: australis (lat.) = südlich. Terra Australis = Südkontinent

Die Aborigines gehören zum Land.
Die Seele eines jeden wurde aus dem Land geboren und wird zu ihm nach dem Tod zurückkehren.
Boden...
Es ist wie Vater, Bruder oder Mutter,
Weil Du aus der Erde geboren wurdest,
Wirst Du zu ihr zurückkehren.
(Bill Neidjie)

Die Traumzeit

Die Traumzeit (auch: "Schöpfungszeit") stellt eine wichtige Rolle in der Mythologie der australischen Ureinwohner dar. Sie ist die Schöpfung, die vor vielen Millionen Jahren den Anfang der Zeit bestimmte. Mit Träumerei ist der Begriff Traumzeit nicht zu verwechseln, schon die englische Bezeichnung "Dreamtime" war nicht richtig sprechend. In den Sprachen der Aborigines wird sie "Altjeringa", "Tjurkurrpa" oder "Palaneri" genannt.

Vielmehr soll mit Traumzeit die Zeit der Entstehung aller Dinge gekennzeichnet werden. Die Aborigines gedenken in vielen Riten an diese Zeit, in der das Leben begann, die "Dinge" aus dem inneren der Erde oder aus dem Himmel an die Oberfläche kamen. Nicht nur die Menschen, sondern auch die Tiere, Gebirge und Flüsse, eben alles vorhandene "Sein".

Die von den Aborigines abgehaltenen Zeremonien sollen sie mit der Energie der Ahnen versehen, um die Traumzeit fortzuführen.

Bis zu 30.000 Jahre alte Zeichnungen (aus der Traumzeit?), in Felsen eingearbeitet, wurden bereits gefunden:

Felsbild
Felsenmalerei

Felsbild
Felsenmalerei

Das Emu - Der "Röntgenblick"

Auch heute sind die eindrucksvollen Strukturen zu finden. Der "Röntgenblick", z.B. ist für die australische Kunst typisch. Er stellt ein Lebewesen nicht nur äußerlich, sondern mit all seinen Innereien dar. Zu beachten sind allerdings die regionalen Unterschiede innerhalb der verschiedenen Stämme. Das "Emu" (Kopeipi) (s.u.), von einem unbekanntem Künstler in der Region "Arnhem Land" um 1913 erstellt, zeigt die Anatomie des Tieres. Knochenbau (wie z.B. die Wirbelsäule) und Organe (Herz, Leber) sind auf dem Rindenstück erkennbar.

Emu im Röntgenblick
Emu, 1913

The Killing of Lumaluma - Die Geschichten

Lumaluma ist ein Bringer der Kultur. Der Legende nach soll er von Indonesien nach Australien gekommen sein. Zunächst als Fremder angegriffen und unwillkommen, konnte er den Menschen jedoch schließlich die Malerei und den Tanz beibringen. Von ihm stammende Ockerzeichnungen bilden in vielen überkreuzten Linien komplizierte Muster, die er den Gunwinggu im Arnhem Land auf die Brust malte. Nach Erfüllung seines "Auftrags" ist er nach Indonesien zurückgekehrt.

Nach einer anderen Legende hatte er gar keine Möglichkeit nach Indonesien zurückzukehren! Es wird erzählt, daß Lumaluma Frauen stahl, während er Heiligtümer durchs Land der Kunwunjku trug. Zur Strafe wurde Lumaluma von vielen Speeren durchbohrt, aber schließlich doch verschont. Er sollte noch Gelegenheit haben, seine Kunst in der Bemalung von Körpern weiterzugeben. Als er aber zwei Frauen stahl und mit ihnen übers Wasser floh, folgten ihm die Männer der Stämme von Yirritja und Dhuwa in ihren Booten um Lumaluma zu töten.

Das Bild "The Killing of Lumaluma" (= "Der Mord an Lumaluma") zeigt die Männer von Yirritja (in hellen Farben) und die von Dhuwa (dunkle Farbe) in den Booten. Lumaluma, links im Bild, ist schon mit Speeren durchbohrt. Die Körperbemalung stammt von ihm selber und wurde mit scharfen Steinen in seine Haut eingeschnitten. Unten links im Bild sieht man die drei Skelette von Lumaluma und den beiden entführten Frauen.

Der Mord an Lumaluma
The Killing of Lumaluma, 1988

Typisch für die Kunst der Aborigines ist der Inhalt ihrer Kunstwerke: Jedes Bild erzählt eine Geschichte über die Urahnen aus der Traumzeit. "The Killing of Lumaluma" ist ein gutes Beispiel, um diesen Stil zu erkennen.


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Wuppertal, Dezember 1996 / Update: Wuppertal, August 1997

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